Lebendige Stimmen: die Erfahrung von MAMI VOICE – Offener Dialog mit Architekt Alfredo Bigogno

Bevor wir auf die Welt kamen und gerade erst geboren wurden, haben wir uns Informationen durch das Hören der Stimme und Schwingungen unserer Mutter angeeignet, und durch sie begannen wir, äußere Geräusche wahrzunehmen. Es scheint, dass diese Informationen für immer in unserem impliziten Gedächtnis bewahrt bleiben, und es scheint, dass sie mit unserer Kreativität, insbesondere unserer künstlerischen Kreativität, unserer Vorstellungskraft zusammenhängen.

Aber was passiert, wenn man geboren wird? Und warum ist es so wichtig, in den frühen Lebensphasen eine klanglich-schwingende Bindung zwischen Mutter und Kind aufrechtzuerhalten? Darüber sprechen wir heute mit dem Brescianer Architekten Alfredo Bigogno, Forscher auf dem Gebiet der Klangumgebungen.

GA: Alfredo, Sie haben einen großen Teil Ihrer Karriere dem Studium der Schallvibrationen gewidmet, insbesondere in der Mutter-Kind-Beziehung während und nach der Schwangerschaft. Was hat Sie motiviert, diese Studien zu vertiefen?

AB: Laut Psychologie und Medizin ist es für das Kind nach neun Monaten echter Symbiose mit der Mutter dramatisch, wenn es auf die Welt kommt. Es erfährt eine radikale Loslösung, die den sofortigen Versuch der Anpassung an eine neue „Dimension“ beinhaltet. Noch dramatischer ist die Trennung für Frühgeborene, denen vor den anderen die schützende und behagliche Umgebung des Mutterleibs vorenthalten wird.

Die Stimme, oder besser gesagt, die Klänge der Mutter sind dem Kind nicht nur vertraut, sondern auch so tröstlich, dass sie – in bestimmten Fällen – ihr ganzes Leben lang therapeutisch wirken können.

GA: Wie haben Sie es geschafft, den mütterlichen Lebensraum wieder herzustellen? Und wie funktioniert das?

AB: Ich wollte ein System schaffen, das dem Kind das Gefühl gibt, mit der Mutter in Kontakt zu sein, auch wenn sie eigentlich nicht mehr im Mutterleib ist. So wurde das MAMI VOICE System geboren. Ein medizinisches Gerät der Klasse 1. Dieses System ermöglicht es dem Frühgeborenen, den Klang und vor allem die Vibrationen der Stimme seiner Mutter in der Thermowiege zu hören.

GA: Welche Ergebnisse werden durch die Verwendung des Tons und der Vibrationen des MAMI VOICE Systems erzielt?

AB: Dieses System wurde in verschiedenen Krankenhauseinrichtungen der Neugeborenen-Intensivstation wissenschaftlich erforscht und hat es ermöglicht, objektive Vorteile für das Baby zu erkennen, nicht nur während des täglichen Aufenthalts des Frühgeborenen in der Thermowiege, sondern auch bei Praktiken, die als stressig und schmerzhaft angesehen werden.

Das System wird heute auf der Neugeborenen-Intensivstation der Spedali Civili in Brescia und in vielen anderen italienischen und ausländischen Krankenhäusern eingesetzt.

GA: Sind neben der Thermocradle auch andere Geräte mit ähnlichen Eigenschaften realisiert worden?

AB: Sicherlich ist eines der Projekte, die als Weiterentwicklung von MAMI VOiCE entstanden sind, die Harmonic Crib, eine Art „Wiege für Erwachsene“, die durch die gleichen Prinzipien des MAMI VOiCE Systems die Übertragung von Geräuschen und Vibrationen auf den Körper der darauf liegenden Person ermöglicht. Die Erfahrung ist ganzheitlich: mit den Ohren hören Sie den Klang und mit dem ganzen Körper spüren Sie die Schwingung, die diesen Klang erzeugt, in einer multisensorischen Erfahrung. Das Harmonic Bed ist aus Camuno-Tannenholz gefertigt und nach den Regeln der Goldenen Proportion, der Fibonacci-Zahlenfolge, gestaltet. Mit dem gleichen System und den gleichen Materialien habe ich auch ein Harmonic Totem entworfen, das Vibrationen und Klänge in der Luft verbreitet. So können Sie Musik hören und gleichzeitig von ihren eigenen Schwingungswellen gestreichelt werden.

GA: Welche Art von Klang ist bei diesen Erfahrungen privilegiert?

AB: Normalerweise benutze ich die Musik, die von Instrumenten erzeugt wird, die mit 432 Hz gestimmt sind, komponiert und gespielt von Emiliano Toso, Musiker und Biologe, mit dem vor einigen Jahren eine spontane Zusammenarbeit entstanden ist. Die Töne und Obertöne von Instrumenten, die mit 432 Hz gestimmt sind, stimulieren die bihemisphärische Synchronisation des Gehirns, erhöhen die Konzentration und regen die Kreativität an.

GA: Lieber Alfredo, wenn ich mit Ihnen spreche, ist das immer eine Erfahrung, die zu innovativen Gedanken anregt und vor allem die Seele berührt. Wenn wir an die Kinder denken, die jetzt die Möglichkeit haben, der lebendigen Stimme ihrer Mutter zuzuhören, wird uns die Bedeutung des Guten in unserem Leben bewusster. Herzlichen Glückwunsch an Sie und MAMI VOICE!

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